Montag, 16. Juli 2012

GESCHICHTE 1





 Die Geschichte von der kleinen Frau aus dem kleinen Land

Es war einmal eine kleine Frau aus einem kleinen Land, die verliebte sich in einen großen Mann aus einem großen Land.
Da die Beiden nicht mehr ohne einander sein wollten packte die kleine Frau aus dem kleinen Land ihre sieben Sachen in einen Koffer und ging mit dem großen Mann in sein großes Land.
Sie suchte sich eine Arbeit und der große Mann studierte fleißig wie man große Maschinen baut.
Sie waren glücklich und hatten sich vom Herzen lieb.
Die kleine Frau wünschte sich so sehr ein kleines Mädchen damit das Glück vollkommen wäre. Eines Tages wurde ihr Bauch immer runder und runder und heraus sprang ein wunderschönes kleines Mädchen.
Es hatte den zierlichsten Mund, die Öhrchen kunstvoll gefaltet und Augen so hell wie zwei Sterne. Beide waren überglücklich.
Da dieses kleine Mädchen so viel Freude in die Welt brachte, dachte die kleine Frau bei sich, wie schön wäre es, wenn unser kleines Mädchen noch ein kleines Mädchen zum Spielen hätte. Der Gedanke war noch nicht ausgesprochen, da wurde der Bauch wieder runder und runder und heraus sprang wieder ein kleines Mädchen.
Dieses war so winzig klein, wie ein Püppchen und jeder der es sah war ganz hingerissen. Keiner wagte es, es anzufassen, so klein winzig war es. Nur für die kleine Frau und das kleine Mädchen war das gar kein Problem. Sie herzten und liebten es vom ersten Augenblick an und das erste kleine Mädchen hatte alle Hände voll zu tun, der Mutter zu helfen.
Als der große Mann fertig studiert hatte übernahm er einen kleinen Laden wo sie allerlei Bürsten, Pinsel, Besen und vieles mehr verkauften. Die kleine Frau half tüchtig mit und auch die beiden kleinen Mädchen waren immer fleißig mit dabei.
So hatte alles seine Ordnung. Jedoch der große Mann wurde immer unzufriedener und der kleinen Frau gelang es immer seltener ihn glücklich zu stimmen.
Da er ja viel größer war als die kleine Frau sah er immer öfter über sie hinweg. Er sah nach den schönen großen Frauen, mit goldglänzenden Haaren, die ihn immer freundlich anlächelten, und einluden mit ihnen spazieren zu gehen. Das machte ihm große Freude. Er wurde dabei noch größer und sah irgendwann die kleine Frau gar nicht mehr. Diese beschwerte sich bitterlich bei ihm, aber er sagte nur, wenn du mehr alleine ausgehst und nicht so wie ein Mühlstein an meinem Hals hängen würdest, dann würdest du auch größer werden, dann könnte ich dich wieder sehen.
Sie versuchte es, aber es machte ihr keine Freude auszugehen, ohne den großen Mann.
Eines Tages stellte der große Mann der kleinen Frau einen sehr schönen Prinzen aus einem anderen Land vor. Er sagte dieser Prinz kann dir vielleicht ein wenig von seinem Glanz abgeben.....
Da geschah es aber, dass der Prinz sich in die kleine Frau verliebte und nicht mehr ohne sie sein wollte und den großen Mann fragte ob er sie haben kann, dieser antwortete mit einem Achselzucken, von mir aus, wenn du sie willst.
Er wollte frei sein und so war ihm das Geschäft sehr recht.
Die kleine Frau suchte für sich und den Prinzen ein Häuschen in dem sie mit den beiden Mädchen wohnen könnte.
Der große Mann zog zu seiner neuen großen Frau, für die er sich bereits entschieden hatte.
Die kleine Frau hatte jetzt keine Arbeit und da der Prinz auch kein Geld hatte, nur seine glänzende Fassade, begann sie zu studieren um noch mehr zu lernen und auf diese Weise ein wenig zu glänzen und danach leichter eine gute Arbeit zu finden um sich und den Prinzen und die Mädchen ernähren zu können.
Der Prinz machte sie und die beiden Mädchen sehr oft glücklich aber immer öfters bekam er eine traurige Stimmung und wollte dann mit niemand sprechen. Er war ein sehr sensibler Künstler ohne viel Erfolg und es war nicht leicht für ihn, die glänzende Fassade aufrecht zu erhalten. Er konnte seine Ideen und phantastischen Pläne nicht in die Tat umsetzen. Er wollte ja auch Geld verdienen um die kleine Frau und die Mädchen  zu ernähren doch es gelang ihm nicht. Dies machte ihn immer öfter traurig und auch ungerecht.
Die kleine Frau dachte, vielleicht könnte ihm ein kleiner Junge wieder Freude in sein Leben bringen und kaum gedacht schon wurde ihr Bauch runder und runder und heraus kullerte ein kleiner Junge, rund und mit goldenen Locken, wie es sich für einen Prinzensohn gehört.
Der Prinz war über alle Maßen stolz und glücklich und eine kleine Zeit ging das sehr gut. Jedoch liebte er seinen kleinen Prinzen so sehr, dass er die kleinen Mädchen nicht mehr sah, es gab nur mehr den kleinen Prinzen für ihn. Für den Prinzen waren die kleine Frau und die Mädchen nur mehr hellgraue Nebelgestalten, die er gar nicht mehr bemerkte.
Die kleine Frau hatte inzwischen ihr Studium beendet und einen Laden eröffnet in dem sie Wolle und Knöpfe Spitzen und Bänder verkaufte.
Für die Mädchen war das am Anfang schön, die Bänder und Spitzen zu sortieren, die Knöpfe, Perlen und Wolle zu ordnen. Sie spielten mit dem kleinen Bruder, der immer recht wild war. Das kam daher, dass der Prinz den kleinen Prinzen sehr verwöhnte und ihm alles aber auch schon alles erlaubte.
Da kam ein Tag an dem die kleine Frau überlegte, so wild wie dieser kleine Junge ist, und so unsichtbar wir Drei für den Prinzen sind, geht das hier in der großen Stadt nicht mehr lange gut. Wir müssen raus auf ´s  Land ziehen, wo Wiesen und Wald und viel Platz ist, damit der kleine Junge richtig toben kann und vor allem meine Mädchen wieder lachen können.
Sie fanden ein altes Bauernhaus in einer kleinen Stadt nahe der großen Stadt und zwei große Lastwagen transportierten alle Habe dorthin.
Der Prinz war verletzt, er wollte nicht mit in die kleine Stadt und wurde sehr, sehr böse auf die kleine Frau.
Sie dachte erst, lass ihm Zeit und einige Male kam er auch zu Besuch, aber bald hörte das auf und die kleine Frau lebte mit den beiden Mädchen und dem Jungen alleine auf dem Bauernhof. Der kleine Prinz war glücklich und auch die Mädchen fanden langsam Gefallen am Landleben.
Die Mädchen waren inzwischen sehr groß geworden und das erste Mädchen ging in das kleine Land der kleinen Frau um zu studieren.
Das zweite Mädchen ein Jahr später in ein weit entferntes Land mit einer fremden Sprache um ebenfalls zu studieren.
Die kleine Frau und der kleine Prinz blieben allein zurück, sie vermissten die Mädchen sehr und die größte Freude waren die Ferien wo alle wieder zusammen waren.
Jetzt ist schon eine lange Zeit vergangen aus den Mädchen sind erwachsene Frauen geworden die ihre eigene Familie gegründet haben. Auch der kleine Prinz ist nach und nach zu einem großen schönen Prinzen herangewachsen, der jetzt gerade dabei ist seine Stärken auszuloten und zu erforschen was das Leben so alles für ihn bereithält.
Die kleine Frau wusste erst nicht so recht wohin sie nun gehen sollte, bleiben wäre für den Prinzen nicht gut, er braucht die Freiheit um zu Lernen was er alles vollbringen kann.
Sie packt also ihre sieben Sachen in einen Koffer und fuhr wieder in das kleine Land aus dem sie gekommen war.
Dort will sie noch mal neu durchstarten und etwas sinnvolles, neues aufbauen. Sie hatte sich das viel leichter vorgestellt. Das kleine Land ist ihr fremd geworden und die Leute darin auch. Sie sehnte sich nach dem großen Land und vor allem nach ihren Mädchen und den jetzt schon großen Prinzen. Da sie aber eine kleine,  mutige Frau ist wird sie es schon schaffen, was sie sich vorgenommen hat, davon ist sie felsenfest überzeugt.
Wenn es Abend wird jedoch, dann sitzt sie an ihrem Webstuhl und webt an einem Teppich. Es soll ein fliegender Teppich werden, damit sie immer, wenn die Sehnsucht nach ihren sechs liebsten Menschen zu groß wird, sich drauf setzen kann um in das große Land zu fliegen.
Zu schauen ob alles in Ordnung ist, ob es ihnen gut geht oder um sie einfach nur anzuschauen. Ihr habt richtig gelesen „sechs liebste Menschen“, denn es gibt schon drei kleine Enkelkinder. Ja und nicht zu vergessen die Schwiegerkinder....aber das ist eine andere Geschichte.





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